Ein Wort in elf Sprachen

An der Waldschule Schwanewede wird am heutigen Freitag ein Kunstwerk eingeweiht. Im Rahmen einer Projektarbeit haben drei Schüler eine Schriftinstallation für einen Zaun auf dem Pausengelände geschaffen. In elf Sprachen ist dort das Wort „zusammen“ zu lesen.
VON GABRIELA KELLER

Schwanewede. Together – ensemble – razem – birlikte – sammen. In Edelstahl-Lettern zieht sich ein Schriftzug aus Wörtern am Gitterzaun auf der Schulhofmauer der Waldschule in Schwanewede. In elf Sprachen ist dort das Wort „zusammen“ zu lesen. Drei Waldschüler haben die Schriftinstallation im Rahmen eines Kunstprojektes zusammen mit ihrem Kunstlehrer Martin Zülch geplant, entworfen und mit Unterstützung von Fachleuten umgesetzt. Am Freitag, 10. Oktober, um 12 Uhr wird das Schriftwerk neben der Schwimmhalle feierlich eingeweiht.

Der Reihe nach auf Russisch, Polnisch, Persisch, Türkisch, Arabisch, Spanisch, Englisch, Französisch, Niederländisch, Norwegisch und Deutsch gibt die Installation das Adverb „zusammen“ wieder. Die Wortreihe ist vieldeutig. Sie nimmt Bezug auf das Zusammenleben verschiedener Kulturen in der Kooperativen Gesamtschule und der Gemeinde, die Vielfalt, aber auch Schranken sprachlicher Verständigung. Bei der Auswahl der Sprachen orientierten sich die Zwölftklässler Mergim Alimusaj, Fynn und Lasse Böltau an den Herkunftsländern ihrer ausländischen Mitschüler und Lehrkräfte sowie an den Sprachen der drei Partnerschulen der Waldschule in Polen, Schottland und den Niederlanden.

Der Standort für das Kunstwerk ist bewusst gewählt. Das Adverb „zusammen“ steht einerseits im Kontrast zu Zaun und Mauer, die den Schulhof vom öffentlichen Raum abgrenzen. Die Installation nimmt damit kritisch Bezug auf politische und ökonomische Barrieren, die dem Zusammenleben von Menschen Grenzen setzen: territoriale Abschottung, politische Unterdrückung, aber auch wirtschaftliche Abschottung etwa gegen Armutsflüchtlinge.

Zugleich steht der Schriftzug für die Hoffnung, diese Grenzen überwinden zu können. So verstehen die drei Waldschüler ihr Kunstwerk auch als einen Appell für die Völkerverständigung. Das spiegelt sich in der Gestaltung wider. Über Schriftgröße und Schrifttyp machten sich die Schüler viele Gedanken. Der Schriftzug sollte ein nach Möglichkeit einheitliches Erscheinungsbild bieten.

Neun Wörter prangen in lateinischer Schrift in 37 Zentimeter hohen Großbuchstaben in einheitlichem Schrifttyp am Zaun. Kein Wort durfte aus mehr als acht Buchstaben bestehen. „Auf diese Weise strebten wir eine typografisch eindringliche Wirkung und aussagekräftige Beziehung zwischen Form und Inhalt der Installation an“, erläutern die Schüler in ihrer Projektdokumentation. Zwei arabeske Schriftzüge aus dem Persischen und Arabischen lockern das Bild auf.

Von der Idee bis zur Fertigstellung des Kunstwerkes ging ein Jahr ins Land. Die 120 Buchstaben aus Edelstahl fertigte eine Metallverarbeitungsfirma aus Brundorf in enger Abstimmung mit den Schülern. Die legten unter anderem beim Polieren der Buchstaben selbst mit Schleifgeräten Hand an. Alle Buchstaben sind auf der Rückseite des Zauns mit einem zweiten Buchstaben-Satz verschraubt.

Vom Schulgelände aus gesehen ist die Wortreihe so in Spiegelschrift wahrzunehmen. Vor den Sommerferien brachten Mitarbeiter des Bauhofes die Installation am Zaun an, jetzt wird sie offiziell eingeweiht. Die Waldschule und der Schulförderverein, die Gemeinde als Schulträger, die Volksbank Schwanewede und das Brundorfer Unternehmen finanzierten das Projekt.

„Wir strebten eine aussagekräftige Beziehung von Form und Inhalt an.“ Waldschüler über ihr Kunstwerk

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