Helfende Elfen sammeln auf Marktplatz

In ihrem Seminarfach wollen sich fünf Schülerinnen sozial engagieren und aktuelle Probleme aufgreifen. Sie nennen sich Helfende Elfen und sammeln für Obdachlose und Flüchtlinge in der Gemeinde Schwanewede.
VON IRIS MESSERSCHMIDT

Schwanewede. „Nach dem Abitur möchte ich für ein Jahr nach Afrika. Genauer gesagt, nach Namibia und an einem sozialen Projekt teilnehmen.“ Die 18-jährige Jana Drachenberg hat konkrete Vorstellungen. Für Sara Grzeschik, Kristina Lentz, Lisa Heißenbüttel und Nina Abend steht das noch nicht so konkret fest. Allerdings wussten alle fünf Schülerinnen der zwölften Klasse der Waldschule, dass ihr Projekt im Rahmen des Seminarfaches ihr soziales Engagement zeigen sollte. „Außerdem wollten wir ein aktuelles Problem aufgreifen“, erzählt Sara Grzeschik Die anfängliche Idee, Spenden zu sammeln und dann zu verteilen, weitete sich in kurzer Zeit zu einem Großprojekt aus.

„Am Anfang stand einfach nur die Idee“, gesteht die 17-jährige Sara Grzeschik. Verschiedene Organisationen wurden von den Schülerinnen kontaktiert. „Im Laufe der Zeit entstanden immer mehr Ideen, kam weiterer Aufwand hinzu“, erzählt Lisa Heißenbüttel (17). Seit zwei Monaten arbeiten die Schülerinnen jetzt an ihrem Projekt. Sie wissen mittlerweile, „es ist doch ein größerer Aufwand, als wir uns anfangs vorstellen konnten“, berichtet Nina Abend (17). Aber sie können schon erste Erfolge vorweisen.

„Wir haben drei regionale Projekte, die wir unterstützen möchten“, erzählt Kristina Lentz (17). Dabei geht es um Obdachlose, und zwar im Bremer Haus Jacobus. Außerdem sollen Flüchtlinge unterstützt werden, einerseits minderjährige Flüchtlinge ohne Familie aus einer Wohngruppe in St. Magnus sowie die Flüchtlings-Initiative in Schwanewede, für die auch die Schwaneweder Lehrerin Gudrun Chopin verantwortlich zeichnet.

„Durch Gudrun Chopin haben wir beim Fest der Kulturen Flüchtlingskinder kennengelernt“, erzählt Sara Grzeschik. Die Schülerinnen wollen nicht einfach nur Spenden sammeln. Sie wollen mit den Menschen vor Ort sprechen, wollen sich ihre Sicht der Dinge anhören, wollen wissen, was genau diese Menschen benötigen. „Die Flüchtlingskinder allerdings zu fragen, was sie genau brauchen, das gestaltete sich etwas schwierig“, gesteht Kristina Lentz.

„Das scheiterte mehr daran, dass viele nicht Deutsch sprachen.“ Dennoch sei der Nachmittag mit den Kindern sehr beeindruckend gewesen. „Wir haben uns mit Händen und Füßen verständigt. Die Kinder sind unglaublich aufmerksam. Außerdem herrscht untereinander eine ganz tolle Gemeinschaft“, ist die 17-jährige Kristina Lentz immer noch beeindruckt. Auf großen Plakaten haben die Flüchtlingskinder ihre Handumrisse aufgezeichnet. Dann in den Umriss ihr Heimatland und ihre Wünsche geschrieben. „Vielen hat man ihre schwere Zeit an der Kleidung angesehen. Außerdem hatten einige kaputte Haut und schlechte Zähne“, erinnern sich die Schülerinnen.

„Trotzdem waren die Kinder fröhlich und aufgeweckt. Außerdem haben sie sich über jede Kleinigkeit unheimlich gefreut. Beispielsweise über ein Stück Kuchen“, erzählt Kristina Lentz. Für die Schülerinnen steht nach diesem Erlebnis fest, dass sie diesen Kindern eine Freude bereiten möchten. „Spielzeug, Gesellschaftsspiele und gut erhaltene Kleidung sind genau richtig“, sind die fünf überzeugt.

Grundausstattung für die Wohnung

Auch bei den jungen Flüchtlingen, die ohne Eltern in einer Wohngruppe leben, haben sich die jungen Frauen nach der notwendigen Unterstützung erkundigt. „Die Grundausstattung in einer Wohnung wie Haushaltsgegenstände, Deko und Elektrogeräte sind gefragt“, wissen sie jetzt. Für die Obdachlosen brauchen die Schülerinnen zudem warme Kleidung, Decken und Schlafsäcke. Gesammelt werden soll am Freitag, 28. November, ab 15 Uhr auf dem Marktplatz in Schwanewede. Es gibt schon eine Genehmigung von der Gemeinde.

Außerdem bekommen die Schülerinnen Kartons von regionalen Geschäften, haben einen Lagerplatz für die Spenden, werden von Saras Vater, dem Malereibetrieb Ronald Grzeschik, gesponsert und bekommen von ihren Eltern Unterstützung am Spendensammeltag. „Da gibt es nämlich ein kostenloses Stück Kuchen. Wer mag, kann aber auch einen kleinen Obolus in eine Spendenbox werfen.“ Ein Radio berichtet über die fünf, die Eltern helfen beim Transport der Spenden, der Bruder von Kristina Lentz layoutete einen Flyer für die Aktion. Und nicht zuletzt gab es im Vorfeld viele positive Rückmeldungen.

„Wenn alle Spender kommen, die es uns versprochen haben, dann können wir von einem Erfolg sprechen“, ist Lisa Heißenbüttel überzeugt. Jeder Spender ist willkommen. Allerdings: „Wir möchten sinnvolle Spenden“, macht Sara Grzeschik deutlich. „Wir möchten die Spender bitten, uns Sachen zu überlassen, die sie auch noch selber nutzen würden.“ Mit anderen Worten, die Schülerinnen möchten anschließend nicht unbrauchbare Dinge aussortieren. „Schließlich wollen wir Freude bereiten.“

Ihr Name „Helfende Elfen“ soll übrigens auch per Kostüm auf dem Marktplatz deutlich werden. „Schließlich sehen wir uns als rechte Hand vom Nikolaus“, sagen sie mit einem Lachen. Während der Übergabe werden sie dieses Kostüm allerdings nur bei den Flüchtlingskindern tragen. „Es könnte sonst falsch verstanden werden. Wir wollen schließlich die Obdachlosen und die jungen Flüchtlinge ernst nehmen.“

Am Sammeltag (Freitag, 28. November) stehen die Schülerinnen ab 15 Uhr auf dem Marktplatz in Schwanewede. Vorab ist ein Kontakt per Telefon mit Sara Grzeschik (0 42 09 / 6 95 79) oder über die eigens eingerichtete Mailadresse unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! möglich.

Die Norddeutsche vom 19.11.2014  - der Artikel als pdf-file