Seminarfachprojekt: Kreisel soll schöner werden

Die Raseninsel im Kreisel am Koppelsberg soll verschönert werden. Ideen sind gefragt. Drei Schülerinnen der Waldschule wollen Vorschläge beisteuern.

VON GABRIELA KELLER
Schwanewede. Eine runde Raseninsel, eingefasst von hellen Steinen und drum herum Pflasterung. Der neue Kreisel an der Schnittstelle Koppelsberg, Damm und Meyenburger Straße ist funktionell, aber nicht gerade eine Augenweide. Meint nicht nur der Ortsrat. Die Mittelinsel der Verkehrsanlage soll verschönert werden.

Erste Anregungen gaben die Politiker der Verwaltung im September an die Hand: Lavendel und Findlinge statt Rasen sollten die Kreiselinsel zieren. Doch nun kommt neuer Schwung in das Ideenkarussell. Drei Waldschülerinnen haben den Kreisel zum Thema einer Projektarbeit gemacht. Im Rahmen des Seminarfachs „Projektmanagment“ erarbeiten die angehenden Abiturientinnen Isabell Schött, Svea Becke und Lea Pauline Püschner Vorschläge, wie sich die Anlage optisch aufwerten lässt. Isabell hatte die Idee. „Ich wohne in Metjensande und fahre auf dem Weg zur Waldschule jeden Tag mit dem Rad am Kreisel vorbei“, erzählt die 17-Jährige. Die Anlage könnte eine Verschönerung vertragen. „Ich habe von vielen gehört, dass sie die Grasinsel langweilig finden.“

Bislang haben die drei Schülerinnen nur eine grobe Vorstellung, was auf dem Kreisel entstehen könnte. „Wir denken an eine Art Skulptur mit Bezug zu Schwanewede, gerahmt von einer pflegeleichten Dauerbepflanzung.“ Ob Schwan, Wappen oder ein ganz anderes Motiv, ob eine Skulptur aus Holz oder Metall – noch sei alles offen „Wir wollen erst mal mit Fachleuten klären, was machbar ist.“ Metallbaufirmen, Holzkünstler und Gartenbaufirmen haben die Schülerinnen angeschrieben. „Einige haben uns schon geantwortet, dass sie Interesse hätten.“ Ende Januar wollen die Schülerinnen konkrete Entwürfe vorlegen

Dem Schwaneweder Ortsbürgermeister haben sie ihr Projekt bereits vorgetragen. Martin Grasekamp ist begeistert, verspricht sich zusätzliche Impulse. Er hat die Schülerinnen eingeladen, ihr Projekt heute in der Ortsratssitzung ab 19 Uhr im Rathaus vorzustellen. Grasekamp wird dem Ortsrat vorschlagen, seinen Beschluss vom September, den Kreisel mit Lavendel und Findlingen zu gestalten, erst mal auszusetzen. „Wir sollten den Schülerinnen Zeit geben, ihr Projekt zu entwickeln.“ Von einer größeren Bürgerbeteiligung hält er zum derzeitigen Zeitpunkt nichts. „Wir sollten abwarten, was die Schülerinnen an Ideen entwickeln. Bei mehreren Vorschlägen könnte ich mir vorstellen, dass wir ein Votum der Bevölkerung einholen.“

Eine Umfrage unserer Zeitung auf dem Schwaneweder Marktplatz ergab: Die meisten Befragten finden es gut, wenn der Kreisel schöner gestaltet würde. Vor allem mit Pflanzen. „Ein Beet ist schöner“, meint Heidemarie May (72). „Vielleicht noch mit einem Findling“, ergänzt sie. „Stauden oder eine andere Bepflanzung. Auf jeden Fall mehr als nur Rasen“, das wünscht sich Harald Hobbelmann (65). „Zu hoch dürfen die Pflanzen aber nicht sein, man muss als Autofahrer drüber hinwegsehen können.“ Was hält er von einem Findling oder einer Schwan-Skulptur? „Das hat auch was für sich, ich wäre jedenfalls nicht dagegen“, meint der Schwaneweder.

Kerstin Monsees (39) lebt in Scharmbeck, ist aber gebürtig aus Schwanewede. Ihr Vorbild für eine Kreiselgestaltung am Koppelsberg ist der Kreisel in Buschhausen. „Der ist etwas erhöht und schön bepflanzt.“ Gitta Rolf (39) würde sich lieber etwas Ausgefalleneres wünschen. „Blumenbeete gibt es überall. Einen Schwan oder ein anderes Schwaneweder Zeichen finde ich besser.“ Heinz Riemer (71) aus Bremen-Rekum ist zum Einkaufen in Schwanewede. Den Kreisel am Koppelsberg kennt er. Ein blühendes Rondell ist sein Vorschlag. „Wie einladend das aussieht, habe ich in vielen Städten in Nordrhein-Westfalen gesehen. Schlichter Rasen oder Steinpflasterung, das ist doch stupide.“

Viele Kommunen haben die Kreisel längst als kreative Spielwiesen entdeckt. Blühende Gemeindewappen, steinerne Miniatur-Wahrzeichen, abstrakte Kunstwerke – die Fantasie kennt kaum Grenzen. Vor allem Gemeinden und Städte im Süden der Republik sind einfallsreich, wenn es darum geht, die Verkehrsanlagen in einen Blickfang zu verwandeln. Aber auch hierzulande setzt sich Kreiselkunst als Spielart der Kunst im öffentlichen Raum immer mehr durch, wie Beispiele aus Ottersberg, Grasberg, Bremen, Verden und Bruchhausen-Vilsen zeigen.

Es gibt auch Kritiker. Kreiselkunst könne Autofahrer ablenken, ein Sicherheitsrisiko sein und zu Unfällen führen. Ein Aspekt, den Dieter von Bistram vom Schwaneweder Ordnungsamt im Blick hat. Er verweist auf Empfehlungen der Forschungsgesellschaft für Straßen und Verkehrswesen zur Kreisel-Gestaltung. „Auf starre Hindernisse gegenüber den Knotenpunkten-Zufahrten ist aus Sicherheitsgründen zu verzichten“, heißt es da. „Ein Findling oder eine Skulptur wirft bei einem Unfall haftungsrechtliche Fragen für die Gemeinde auf“, gibt von Bistram zu bedenken. Das Land Baden-Württemberg hat 2013 nach einem tödlichen Unfall an einer Kreisel-Betonstele Konsequenzen gezogen. In Kreiseln außerorts dürfen seitdem keine starren Hindernisse mehr aufgestellt werden.

"Die Norddeutsche" vom 20.11.2014

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