Schülerinnen werben für Organspenden

Mit nur 867 registrierten Organspenden im Jahr 2013 verzeichnete die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ein Rekordtief in Deutschland. Eine Ausstellung dreier Waldschülerinnen in der Begegnungsstätte setzt sich mit dem Thema auseinander.

VON ALEXANDER BÖSCH
Schwanewede. „Wenn junge Menschen so ein Thema anpacken, unterstützen wir das gerne”, freut sich Leiter Jürgen Stegmann über die Organspende-Ausstellung, die bis zum 22. Januar in seiner Begegnungsstätte in Schwanewede zu sehen ist. „Wir wollen über Unwissenheit und Ängste informieren und erreichen, dass sich die Menschen mehr mit dem Thema auseinandersetzen”, erläutert Jule Zemke. Sie und ihre Mitschülerinnen Ronja und Lea Wölk haben sich im Rahmen ihres Seminarfachs nicht nur mit den medizinischen Gesichtspunkten beschäftigt. Die Gymnasiastinnen der Waldschule versuchen auch, möglichen Ursachen für die geringe Spendenbereitschaft auf den Grund zu gehen.

In Schautafeln sind von Experten gewonnene Erkenntnisse zusammengefasst. Abstrahierende Zeichnungen, lebendige Comicsequenzen und detaillierte Gemälde von Herz oder Nieren illustrieren das Thema plastisch. Ein aus dem Biologieunterricht entliehenes Modell zeigt die menschlichen Organe im Querschnitt. Auch Informationsbroschüren und Vordrucke für einen Spenderausweis liegen aus.

Zu den am häufigsten transplantierten Organen, erfährt man, gehören Niere, Leber, Lunge, Herz, Bauchspeicheldrüse und Dickdarm. Seltener sind Transplantationen der Hornhaut, des Knochengewebes und von Sehnen, Herzklappen und Teilen der Blutgefäße. Rund 12 000 Patienten warten in Deutschland derzeit auf ein lebensrettendes Spenderorgan. Auf einer Tafel wird der ethisch umstrittene Hirntod als eine der Voraussetzungen für eine Transplantation hinterfragt. Dieser setzt ein, wenn die Sauerstoffversorgung des Hirngewebes einige Minuten unterbrochen wird. Einerseits verliere der Hirntote sämtliche geistigen Eigenschaften, die das Leben ausmachen. Andererseits werde der Organismus durch künstliche Beatmung am Leben gehalten. Hände, die ein stilisiertes Herz wie eine Gabe halten, ein Sensenmann, der in Containern nach Organen sucht, und ein Comic, der einen Verunglückten und einen auf ein Spenderorgan wartenden Empfänger zeigt, werfen Schlaglichter auf Tabus. Über den medizinischen Vorgang einer Transplantation informiert die Ausstellung ebenso wie über die Lebendspende von Organen. Sie ist die Alternative zur postmortalen (nach dem Tod erfolgenden) Organspende.

Bei der Ursachenforschung über die geringe Spendenbereitschaft stießen die Schülerinnen auf ethische Bedenken. Zum einen verdränge der Mensch gern den eigenen Tod, mit dem er sich als potenzieller Organspender zwangsläufig auseinandersetzen muss. Hinzu käme die unberechtigte Angst, dass sich Ärzte, habe man erst einmal in die Organspende eingewilligt, nicht mehr optimal um den noch lebenden Patienten kümmern oder ihn vorzeitig aufgeben würden. Während die katholische Bischofskonferenz und der Zentralrat der Muslime Organspenden als Akt der Nächstenliebe begrüßen, werde das Hirntodkonzept nach der jüdischen Lehre der Halacha zumindest kritisch betrachtet.

Artikel der "Norddeutschen" vom 7.1.2015 im pdf-Format