Waldschüler präsentieren religiöses Stück mit aktuellem Bezug

VON ALEXANDER BÖSCH
Schwanewede. „Die Spirale der Gewalt muss endlich durchbrochen werden”, finden nicht nur die Akteure des Stücks „David – um Gottes willen”. Vor dem Hintergrund der Anschläge in Paris hat der unterhaltsam aufbereitete religiöse Stoff der Theater AG an Bedeutung gewonnen. Heute ist Premiere in der Waldschule.

„Warum können wir nicht friedlich miteinander leben?”, fragt David seinen Freund, den Prinzen Jonathan. „Jedes Volk will seine Macht beweisen. Die Philister werden uns weiterhin bedrohen”, antwortet ihm der Sohn des launischen Königs Saul. Fast symptomatisch für die aktuelle politische Situation mutet das Gespräch der beiden biblischen Charaktere an.

Mit ihrem bewusst doppeldeutig betitelten Stück „David – um Gottes willen” hat die Theater AG der Waldschule ein Stück von ungeahnter Aktualität auf die Bühne gebracht. Heute, Freitag, 16. Januar, ab 19 Uhr und Sonntag ab 17 Uhr führen die 33 Schüler der Klassen 5 bis 9 das Stück in der Aula der Waldschule auf. Der Eintritt ist frei. Es wird aber um eine Spende gebeten.

„Das ist ein ganzes Knäuel von Themen, es geht um Krieg, Ehebruch, Freundschaft, Loyalität, Glauben, Armut und Solidarität. In 3000 Jahren hat sich nicht viel geändert, das ist erschreckend”, meint Gudrun Chopin, die die Gruppe mit Traute Meiners leitet. Für den Brückenschlag zwischen der Geschichte des von vier Akteuren gespielten David und dem aktuellen politischen Geschehen sorgen „Gundula Kleber und Claus Gause“ von der „Tagesschlau“. Gleich zu Beginn wird das Attentat auf die Redaktion der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ erwähnt, um dem Ursprung der Gewaltspirale mit der Geschichte Davids nachzugehen. Bevor David zum König über Juda und Israel aufsteigt, sehen ihn die Zuschauer auf der Nebenbühne in einer fast arkadischen Idylle Schafe zählen und auf der Leier spielen. Doch als der Prophet Samuel sich für den jüngsten Sohn Isais interessiert und David an den Hof des unberechenbaren Königs Saul holt, ist es mit der Idylle vorbei. Wie ein moderner Musiktherapeut vertreibt der Hütejunge mit seiner Harfe zunächst die notorisch schlechte Laune des magenkranken Saul. Schon bald muss sich der gottesfürchtige Held im Kampf gegen die bedrohlichen Philister beweisen. Nachdem David im berühmten Kampf gegen Goliath den höhnisch gegen Gott spöttelnden Riesen mit einer Steinschleuder zur Strecke bringt, mehrt sich sein Ruhm rasant. Wie in einem Klatschmagazin macht „Tagesschlau“-Sprecher Niklas Ulrich Umfragen im Publikum über den „Coolnessfaktor“ des späteren Königs.

„Ihr braucht euch nicht zu fürchten – auch wenn wir mal durch ein finsteres Tal müssen”, beruhigt David seine Anhänger am Ende des Stücks. Die berühmten Worte Davids aus dem Psalm 23 werden von allen Darstellern gesungen. Die Musikgruppe der achten Klasse unter der Leitung von Johannes Rodermond, die während des Stücks live für Klavier- und Harfenklänge sorgt, steuert einen Rap bei.

Jede Menge farbenfrohe Kostüme und einfallsreiche, zumeist aus Elternhand gebastelte Requisiten sind ein Hingucker. Der frühere Lehrer Claus König spielt als einziger Erwachsener mit und schlüpft neben der Rolle des Propheten Samuel auch in die eines vorwitzigen, nach Bananen lechzenden Kamels.

Neben allerlei moralischen Erkenntnissen und der großen Spielfreude der Akteure kann sich der Zuschauer über manch eine aus der Bibel stammende, inzwischen in den Alltagsgebrauch übergegangene Redewendung freuen.