Dettmer Fischer verabschiedet sich

Für Dettmer Fischer endet die Schulzeit. Nach 35 Jahren an der Waldschule, davon 15 als Schulleiter, wird der 63-Jährige heute in den Ruhestand verabschiedet.

VON GABRIELA KELLERSchwanewede. Am Vorabend saß er noch in einer Schulvorstandssitzung, seiner letzten. An diesem Vormittag warten schon wieder neue Aufgaben. Eine Kollegin ist zu verabschieden, Projekte sind zu begleiten. Zwischendurch klopfen Kollegen an, wollen etwas mit Dettmer Fischer besprechen. Business as usual für den Leiter der Waldschule, zwei Tage vor seinem Ruhestand. „Der Schulalltag hat mich bis zur letzten Minute im Griff“, sagt Fischer.

Ein Alltag an der Waldschule, von der er 35 Jahre lang ein Teil war. Zunächst als Lehrer für Englisch und Sport, nach Studium in Hannover und Referendariat in Oldenburg. Seit 1993 auch als Leiter des Fachbereiches Fremdsprachen. Im Jahr darauf wurde Fischer stellvertretender Schulleiter. Seit 1. Februar 2000 steht er an der Spitze der Kooperativen Gesamtschule in Schwanewede. Jetzt sagt der 63-Jährige der Schule Goodbye. Heute wird er in der Aula offiziell verabschiedet. Zusammen mit zwei weiteren Kollegen. Mit Fischer gehen seine Stellvertreterin Kirsten Kudlik und der Leiter der gymnasialen Oberstufe, Peter Werner, in den Ruhestand.

15 Jahre war Fischer Schulleiter, in dieser Zeit hat sich die Waldschule verändert. Äußerlich mit dem Bau von sechs neuen Klassenräumen im Sportzentrum, der Mensa und der Neugestaltung des Schulhofes. Vor allem aber innerlich. „Die Entwicklung unserer Schule geplant zu gestalten, war sehr wichtig“, sagt Fischer. Das Projekt „Unsere Schule“ sollte die soziale Qualität der Schule verbessern. „Es hat uns einige Entwicklungsbedarfe aufgezeigt.“ Seit 2006 begleitet eine Steuergruppe die Entwicklung der Schule. Im Blickpunkt: die Unterrichtsform. Ein Meilenstein in Fischers Amtszeit ist das neue Zeitkonzept, nach dem Schüler und Lehrer seit 2007 arbeiten. Statt klassisch im 45-Minuten-Takt wird seitdem 80 Minuten en bloc gelernt. Die Abschaffung der kleinen Pausen hat Zeit freigeschaufelt für „EVA“. Zeiten, in denen Schüler eigenverantwortlich arbeiten. Das Konzept sei ein wichtiger Schritt für die Schule gewesen, sagt Fischer. „Auf EVA möchte niemand mehr verzichten. Es hat das Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern verbessert und für ein positives Lernklima gesorgt.“ Ebenso wie die Einführung kooperativer Lernformen.

Für den Schulleiter sind das wichtige Voraussetzungen, damit Schüler mit Freude lernen. „Das fällt ihnen umso leichter, je selbstbestimmter sie lernen können. Wir müssen den Schülern zutrauen, dass sie ihre Lernzeit selbstständig organisieren.“ Dass Schüler zum Lernen auch das nötige Methoden-Rüstzeug an die Hand bekommen, war für Fischer selbstverständlich.

Wandel zur Ganztagsschule

Eine der ersten Herausforderungen für die Schule und ihren Leiter war die Umsetzung der Schulstrukturreform ab 2003/04. Die Orientierungsstufe wurde abgeschafft, das Abitur nach zwölf Jahren eingeführt. Wehgetan habe die Kürzung der Verwaltungsstunden. Über 30 Wochenstunden gingen futsch. „Zwar zugunsten des Unterrichts, immerhin. Aber für Verwaltung und Schulleitung war das ein extremer Einschnitt, an dem wir heute noch knabbern.“

Unter Fischer wandelte sich die Waldschule zur offenen Ganztagsschule. Überzeugungsarbeit musste der Schulleiter im Kollegium bei der Einführung der Inklusion leisten. „Da gab es kontroverse Diskussionen.“ Die Idee der Inklusion hält Fischer für „vernünftig“. Kritisiert aber: „Drei oder fünf Förderstunden, das ist zu wenig.“ Er selbst hat nach Kräften die internationalen Kontakte der Waldschule gefördert. Schüleraustausche und Projekte mit Schulen in Schottland, Holland, Schweden, Polen und Norwegen lagen ihm am Herzen. Der Blick über den nationalen Tellerrand stehe jungen Europäern gut an, meint Fischer.

Am morgigen Freitag endet für ihn die „Schulzeit“. Am 2. Februar übernimmt sein Nachfolger Torsten Tappert, der aus Eisenhüttenstadt kommt. Fischer will den Ruhestand nutzen, um lange vernachlässigte Hobbys zu pflegen: Segeln, Rudern, Gitarre spielen und Kochen.

Artikel aus der Norddeutschen vom 29.1.2015 als pdf-File