Laufen für den guten Zweck

„Run for Help“ in Schwanewede: Waldschüler ziehen mit ihrer Spendenaktion 3000 Besucher an

VON PETER OTTO
Ein dumpfer Böllerschlag hallte über den Sportplatz der Waldschule. Das war das Startzeichen für die etwa 80 Schüler des fünften Jahrgangs. Sie machten sich auf den Weg, den Platz auf der 400-Meter-Laufbahn zu umrunden. Dieser Lauf und die nachfolgenden der höheren Jahrgänge gehörten am Donnerstag zum großen Spendenlauf „Run for Help“, den die KGS Waldschule zum fünften Mal in Schwanewede veranstaltete. Er findet alle fünf Jahre statt.

Die Idee, die der Aktion zugrunde liegt, ist ebenso einfach wie pfiffig. Die Teilnehmer verpflichten sich, eine bestimmte sportliche Leistung zu erbringen. Dafür werben sie für sich Unterstützer, die diese Leistung würdigen und mit einem Geldbetrag belohnen. Dieser Betrag wird dann gespendet. Je höher die sportliche Leistung, desto größer die Spende. Wer in Schwanewede wohnt, konnte sich beteiligen. Die Läufer und -innen durften ihre Runden je nach Durchhaltevermögen bis 22 Uhr drehen. Ein Teilnehmer wollte 100 Runden laufen und hatte für sein Vorhaben 70 Sponsoren gefunden. Jan und Michel, beide 13 Jahre alt, hatten sich zehn Runden vorgenommen. Sie wurden von Mutter und Oma unterstützt. Der 17-jährige Leon wollte 2000 Meter laufen.

Wer es nicht so mit dem Laufen hatte, der konnte auch im Hallenbad eine vorher ausgemachte Strecke schwimmen. Tamée (14 Jahre) entschied sich dafür. Sie hatte sich vorgenommen, mindestens zwanzig 16-Meter-Bahnen als Brustschwimmerin zu schaffen. Der 12-jährige Malte sollte von Vater und Mutter je einen Euro pro Bahn bekommen. 52 Mal wollte er hin und zurück schwimmen. Eigentlich hatte er auf der eingerichteten Skaterstrecke mit Inlinern fahren wollen. Aber die Schutzausrüstung passte ihm nicht.

Wer keine Lust verspürte, zu laufen oder zu schwimmen, der konnte auch in den Sattel seines verkehrssicheren Fahrrads steigen und in die Pedalen treten. Erlaubt war ebenfalls rhythmische Bewegung zur Musik. Währenddessen hatte sich das Schulgelände in einen großen Markt verwandelt. Da tobte das pralle Leben. Auch Stände waren aufgebaut. Dort wurden gefüllte und normale Waffeln angeboten, Eis, Bratwürstchen, alkoholfreie Cocktails, Kaffee und Cola. Außerdem ein Hindernislauf auf Brettern, Dosenwerfen und Ponyreiten. Man konnte durch einen gezielten Tennisballwurf einen Mann ins Wasser plumpsen lassen. Eine Judo-Gruppe zeigte Formen der Selbstverteidigung. Die DLRG, das Deutsche Rote Kreuz und freiwillige Feuerwehren waren als ehrenamtliche Helfer zur Stelle.

Über 3000 Besucher bevölkerten das Schulgrundstück. Über den Sportplatz pfiff ein kühler Wind. An der Startlinie drängelten sich schon die Läufer der nächsten Jahrgangsstufe. Auf einer überdachten Bühne gab es derweil Unterhaltungseinlagen. Wer etwas zu bieten hatte oder vortragen wollte, konnte neben den Moderatoren und Jahrgangs-Discjockeys die Zuschauer munter unterhalten. Im Verlauf des Abends traten T Seven (ehemals Mr. President) auf. Das sind Judith Hildebrandt mit ihrem Partner. Sie trafen trotz des Regens ein begeistertes Publikum an.

Acht Organisatoren unter der Leitung von Gitta Brede hatten die Veranstaltung ein Jahr lang vorbereitet, die Bürgermeister Harald Stehnken eröffnete. Er sei stolz, sagte er, Bürgermeister einer Gemeinde zu sein, deren Einwohner durch Aktionen wie „Run for Help“ Menschen unterstützen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Die Veranstalter hatten sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. Als Spendensumme sind 50 000 Euro angepeilt. Dieses Geld soll zu hundert Prozent für einen guten Zweck eingesetzt werden.

Die Verteilung wurde im Vorfeld festgelegt. Die Spendengelder sollen zu gleichen Teilen an den Verein Afghanistan-Schulen und an Bildungsprojekte in Schwanewede gehen. Die Gründerin des Vereins zur Unterstützung von Schulen in Afghanistan, Ursula Nölle, war eigens nach Schwanewede gekommen, um sich zu bedanken. Die heute 90-Jährige hat seit 1984 über 60 Schulen in Afghanistan bauen, einrichten oder renovieren lassen. Ein besonderer Schwerpunkt liege auf der Bildung der Mädchen, erklärte sie. Mitglieder des Vereins überwachen vor Ort, dass die Gelder auch richtig verwendet werden. Die Waldschule unterstützt den Verein seit 2001.

Mit einem Teil der Spende von „Run for Help“ soll in dem Dorf Baghebustan im Norden des Landes die Aqmasjid-Grundschule gebaut werden, um ein fensterloses Provisorium zu ersetzen. Das Ziel: Die Kinder in dem durch Kriege, Aufstände und Attentate geschundenen Land sollen durch Bildung stark gemacht werden.

Mit dem anderen Teil der Spendensumme sollen in Schwanewede Vereine, Schulen, Klassen, Gruppen, Initiativen oder motivierte Einzelpersonen in ihrer Bildungsarbeit unterstützt werden, wenn sie ihr Projekt in einem Antrag darstellen und begründen. Der Gemeinderat habe bereits formell beschlossen, dass die Spendengelder für kleine Bildungsprojekte in der Gemeinde verwendet werden dürfen, versicherte der Bürgermeister. Wie hoch der Spendenbetrag ausgefallen ist, das müssen die Organisatoren in den nächsten Tagen noch errechnen. Sie sind aber optimistisch, dass er sehr hoch sein werde.

Die Norddeutsche, 26.9.2015

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