Erasmuskonferenz an der Waldschule

Vom 8. bis zum 14. Dezember findet an unserer Schule eine internationale Konferenz mit Schülerinnen und Schülern aus Schottland, Schweden und den Niederlanden statt. Es geht darum, Chancen des europäischen Arbeitsmarktes und berufliche Möglichkeiten in internationalen Unternehmen kennenzulernen. In einem Artikel der Norddeutschen wird das Projekt beschrieben.

Einblick in den Arbeitsmarkt Europa

Bei einem EU-Projekt lernen Schüler aus vier Ländern Unternehmen kennen / Auftakt in der Waldschule

VON GABRIELA KELLER
Schwanewede. Die vier Wände stehen, und ein Dach ist auch schon drauf. Jetzt kommt die Feinarbeit. Hier wird der Giebel mit rosa Zuckerguss-Herzen verziert, dort Puderzucker als Schnee aufs Dach gestreut. Zum Schluss ein Qualmwölkchen aus Zuckerguss auf den Schornstein – fertig ist das „Europäische Haus“ aus Lebkuchen. Die Baumeister sind 40 Schüler aus vier Ländern. In einem Klassenraum der Waldschule arbeiten sie an diesem Nachmittag in der Weihnachtsbäckerei.

Ein vorweihnachtlicher Spaß mit Lerneffekt für die Schüler. Beim Herstellen des süßen Naschwerks müssen sie Hand in Hand arbeiten. Von den Schülern, die sich gerade mal ein paar Stunden kennen, ist Teamwork gefordert. Eine Schlüsselqualifikation, wie sie im Arbeitsalltag eines internationalen Unternehmens verlangt wird, in dem Menschen aus unterschiedlichen Ländern an gemeinsam Projekten arbeiten. Um genau solche Einblicke in die Arbeitswelt internationaler Unternehmen geht es in einem Erasmus-Plus-Projekt, an dem die Waldschule Schwanewede mit drei Partnerschulen teilnimmt. Aus jeder Schule beteiligen sich jeweils zehn Schüler.

Erasmus Plus ist ein EU-Programm. Ziel ist es, die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Betrieben zu fördern und Schülern Kompetenzen zu vermitteln, die sie später im Berufsleben brauchen. In dem auf zwei Jahre angelegten Projekt der Waldschule und ihrer Partnerschulen lernen die Schüler in jedem Land fünf Unternehmen kennen. Zum Auftakt sind seit Dienstag 30 Schüler aus den Partnerschulen in Edinburgh/Schottland, ’s-Hertogenbosch/Niederlande und Huskvarna/Schweden in Schwanewede zu einer internationalen Schülerkonferenz zu Gast.

Waldschullehrerin Ulrike Ritter hat das Projekt mitkonzipiert. „Die Schüler sollen die Chancen des europäischen Arbeitsmarktes und berufliche Möglichkeiten in internationalen Unternehmen kennenlernen“, erläutert sie das Ziel. Durch die Betriebsbesichtigungen gewinnen die Schüler Einblicke in den Aufbau, die Arbeitsweise, Ausbildungs- und Karrieremöglichkeiten in internationalen Unternehmen. Gleichzeitig lernen sie, welche Anforderungen Unternehmen an künftige Mitarbeiter stellen. Auch internationale Studiengänge lernen die Schüler im Rahmen des Projekts kennen.

Die Schwaneweder haben aus der Luft- und Raumfahrtbranche die Firma OHB, den Logistik-Spezialisten BLG, die Werft Abeking & Rasmussen, die Firma Thyssen-Krupp-System-Engineering und die Jacobs University als Partner ins Boot geholt. Zur Vorbereitung des Projekts wurde an allen Schulen eine Projekt-Arbeitsgemeinschaft gegründet. „Die Schüler der Partnerschulen haben von unseren Waldschülern eine Hausaufgabe bekommen. Sie sollten sich über die jeweiligen Branchen wie Raumfahrt, Schiffbau oder Logistik in Europa und in ihrem eigenen Land informieren“, erzählt Ulrike Ritter.

Auch die Waldschüler bereiteten sich vor. Jeweils zwei Schüler besuchten vorab die teilnehmenden Unternehmen und informierten sich vor Ort. Die Wahl von Melina Wilke und Paula Molzahn fiel auf Thyssen-Krupp in Bremen-Farge. „Das Unternehmen hat uns interessiert, weil es technisch ausgerichtet ist“, erzählt Paula. Dreimal besuchten sie den Betrieb. Wie viele Beschäftigte hat das Unternehmen, wie ist die Firma strukturiert, welche Ausbildungsmöglichkeiten gibt es? Über diese und andere Fragen machten sich die beiden Elftklässlerinnen schlau. „Beim Tag der offenen Tür haben wir uns auch mit Auszubildenden unterhalten“, berichtet Paula.

In Kleingruppen von jeweils acht Schülern aus allen Partnerschulen ging es am Donnerstag zur Besichtigung in die vier Betriebe und an die Privat-Uni. Dabei stellten die Waldschüler „ihre“ Unternehmen als Experten vor. Zum Abschluss der Schülerkonferenz in Schwanewede, die am 14. Dezember endet, werden die Schüler die gesammelten Ergebnisse in einem Plenum vorstellen. Sie sollen später auf einer Homepage veröffentlicht werden.

Anna White gehört zur Schülergruppe aus Edinburgh. „In diesem Projekt arbeiten wir mit Schülern aus vier Nationen. Wir lernen, im Team zu arbeiten und uns untereinander zu verständigen. Das sind Kompetenzen, die später für den Beruf wichtig sind. Außerdem lernen wir, wie Unternehmen in unterschiedlichen Ländern arbeiten. Das kann hilfreich sein, wenn man später selbst einmal im Ausland arbeiten will“, meint Anna. Physiotherapeutin möchte sie einmal werden. „Ich würde auch gerne ins Ausland gehen“, sagt die 16-Jährige.

Rebecka Vandrén kommt aus Schweden. Jobmöglichkeiten im Ausland wolle sie kennenlernen, erzählt die 17-Jährige. „Vielleicht gibt es später einmal die Chance, in einem der Länder zu arbeiten oder zu studieren.“ Eine Perspektive, mit der auch Maarten Bolscher aus den Niederlanden liebäugelt. „Ich finde es interessant, im Ausland zu arbeiten oder zu studieren.“ Das Erasmus-Projekt sei eine gute Gelegenheit, Studien- aber auch Arbeitsmöglichkeiten in ausländischen Firmen kennenzulernen, meint der 16-Jährige.

Das Projekt wird im März 2016 mit Betriebsbesichtigungen in Schweden fortgesetzt. Im Oktober 2016 und im März 2017 folgen weitere Treffen in den Niederlanden und Schottland. Den Abschluss bilden im Mai und Juni 2017 Jobmessen an allen vier Schulen mit Vertretern der beteiligten Unternehmen und Hochschulen sowie Berufsberatern.

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© Die Norddeutsche, 11.12.2015