Presseinformation zur Protestaktion von Lehrkräften der KGS Waldschule Schwanewede am 20.3.2014

Lehrerinnen und Lehrer der Waldschule Schwanewede protestieren am 20.3.14 in der 2. großen Pause ab 11.35 Uhr gegen eine Erhöhung ihrer Arbeitszeit ab dem Schuljahr 2014/15. Mit Plakaten und Spruchbändern ziehen sie vor das Eingangstor der Schule. Mit ihrer Aktion nehmen die Lehrkräfte, die schon im Januar mehrheitlich beschlossen haben, vorerst keine neuen Klassenfahrten zu planen, an Protesten teil, die am heutigen Tag an vielen niedersächsischen Schulen unter dem Motto „5 vor 12“ stattfinden.

Anlass ist die Anhörung zur neuen Arbeitszeitverordnung in Hannover, mit der die Landesregierung den Lehrkräften ab dem kommenden Schuljahr Mehrbelastungen aufdrücken will. Im Einzelnen geht es darum, dass die Gymnasiallehrkräfte eine Unterrichtsstunde mehr erteilen sollen und ältere Lehrkräfte aller Schulformen die versprochene Altersermäßigung von einer Unter- richtstunde ab 55 Jahre nicht erhalten sollen. Allen, die mit Schule zu tun haben, ist klar, dass eine Unterrichtsstunde viel mehr als eine Stunde Arbeitszeit beinhaltet.

Die Landesregierung argumentiert jedoch damit, dass die Stundenerhöhung recht moderat sei und Lehrkräfte in anderen Bundesländern zum Teil mehr Stunden unterrichten müssten. Dabei wird jedoch nur die reine Unterrichtszeit berücksichtigt und unterschlagen, dass eine wesentliche Belastung der Gymnasiallehrkräfte im enorm hohen Korrekturaufwand in der gymnasialen Oberstufe besteht. Dafür wird in anderen Bundesländern, z.B. in Schleswig- Holstein, eine Wochenstunde Arbeitszeit pro Oberstufenkurs angerechnet wird. Zudem erhalten die niedersächsischen Lehrkräfte erst ab dem vollendeten 60. Lebensjahr eine Wochenstunde Ermäßigung, womit sie im Vergleich der Bundesländer am unteren Ende rangieren. In Bremen gibt es zwei Stunden Ermäßigung, Nordrhein-Westfalen und das Saarland gestehen den über 60Jährigen sogar drei Stunden Ermäßigung zu. In ihrer Arbeitszeitverordnung aus dem Jahr 2008 hatte die Landesregierung ursprünglich die Alters- ermäßigung von einer Stunde für 55Jährige und von zwei Stunden für 60Jährige ab dem 1.8.2014 festgeschrieben, mit der jetzt geplanten Änderung begeht die Regierung einen Vertrauensbruch, den die Lehrkräfte so nicht hinnehmen wollen.

Warum geht die rot-grüne Regierung so hart mit ihren Landesbediensteten um? Nach ihrer Lesart muss bei den Kosten für die Unterrichtsversorgung gespart werden, um mehr Geld für die Ganztagsschulen, die Umsetzung der Inklusion und frühkindliche Bildung zur Verfügung zu haben. Nun sind dies zweifellos gesellschaftlich relevante und von großen Teilen der Bevölkerung befürwortete Ziele. Doch wehren sich die Lehrkräfte dagegen, dass diese Vorhaben u.a. mithilfe ihrer Mehrbelastung finanziert werden sollen, nur weil es dabei um Schulen geht. Bisher ist ja auch niemand auf die Idee gekommen, die Bahnbediensteten für die Erneuerung des Schienennetzes bezahlen zu lassen.

Schon jetzt erreicht aufgrund der hohen beruflichen Belastungen nur ein geringer Teil der Lehrkräfte die gesetzliche Altersgrenze, die Mehrzahl scheidet mit 62 Jahren aus dem Dienst. Weitere Belastungen werden vermutlich die Zahl derjenigen, die unter Inkaufnahme von massiven Abschlägen in den Ruhestand gehen, noch erhöhen.

Sollte die Landeregierung ihre Vorhaben unbeirrt umsetzen, wird dies im kommenden Schuljahr nicht unbedingt zum Vorteil der Schülerinnen und Schüler sein. Denn die geplante Mehrarbeit der Gymnasiallehrer und der älteren Lehrkräfte wird dazu führen, dass die Einstellungschancen für junge, ausgebildete Lehrkräfte sinken, bis zu 1750 Stellen kann das Land nach Berechnungen der Lehrergewerkschaft damit einsparen.

Das kann nicht im Sinne einer zukunftsorientierten („besten“) Bildung sein, an der Schüler- innen und Schüler sowie die Eltern ein berechtigtes Interesse haben.

V.i.S.d.P. Beate Ellerbrock-Schlitt

--> Fotos von der Protestversammlung