„Wenn wir nicht weiter wissen, fragen wir halt nach dem Weg.“ Mit diesem Motto und einer folglich mehr oder minder guten Vorbereitung machten wir uns also auf den Weg: Zuerst ging es nach Wien. Die Stadt, die in unserer Planung hauptsächlich auf Schnitzel, Sachertorte und Mozartkugeln reduziert wurde, zeigte sich in ihrem schönsten Licht und bescherte uns einige wunderbare Tage.
Besonders der weibliche Teil der Gruppe kam auf seine Kosten. Eine Stadt, die für Mädchen gemacht zu sein schien: viele tolle Geschäfte, die eindrucksvolle, „kaiserliche“ Atmosphäre (sodass sich jeder einmal wie Sissi fühlen konnte!) und auch die stetige Kontaktfreudigkeit vonseiten der österreichischen Mitbürger ließen kaum Wünsche offen. Doch auch die ‚Männer’ hatten ihren Spaß, denn schließlich kennt man als Geschichts- bzw. Deutsch-LK nun mal die ein oder andere berühmt-berüchtigte Persönlichkeit aus unserem südlich gelegenen Nachbarland, sodass es oftmals zu unterhaltsamen Diskussionen kam. Es fanden sich sogar ein Wessi und ein Ossi in unserer Gruppe, die am 3. Oktober freudestrahlend miteinander anstießen.
Doch unser erster Programmpunkt in der Mozart-Stadt stellte unser (ursprünglich auf Budapest bezogenes) Motto bereits auf eine harte Probe: Wieso können Österreicher eigentlich kein Deutsch?
Die Stadtführung entpuppte sich somit zwar als sehr spannend, jedoch konnte uns die sympathische Führerin zumeist auch nach mehrmaligem Nachfragen nicht erklären, von was sie da überhaupt redete. Das Misttelefon oder der Kiwara werden für die meisten wohl immer ein Mysterium bleiben. Im Großen und Ganzen gefiel das Wienerisch jedoch sehr, weil es sich einfach in jeder Situation „soo gemütlich“ anhört … solange man den Inhalt nicht versteht. Aufdringliche Nicht-Österreicher wurden deshalb im Folgenden lächelnd mit einem freundlichen „I glob i hob Spritzgack“ zurückgewiesen. Um unseren Aufenthalt abzurunden, wurde beschlossen, sich doch wenigstens einmal den Gebräuchen des Gastlandes anzupassen: Ein Besuch im Stephansdom war die Folge. Wer jetzt auf die Idee kommt, es handelte sich um eine langweilige Sonntagsmesse, der irrt aber gewaltig. Schließlich wurden bei diesem Gottesdienst Fakten preisgegeben, die im Vorhinein wahrscheinlich niemand so recht zu glauben gewagt hätte: Alle Menschen sind unnütze Sklaven und die katholische Kirche ist gegen Misshandlungen. Nun gut.


Nach einigen schönen Tagen in Wien ging unsere Reise nun weiter nach Budapest. Durch eine nette Begegnung mit Wiener Studenten erfuhren wir einige Stunden zuvor: „Budapest, das ist eigentlich genauso wie Wien. Nur seit 200 Jahren nicht renoviert.“ Na das konnte ja was werden.
Endlich im Hotel angekommen, erkundeten wir die kommenden Tage die Stadt, ihre Sehenswürdigkeiten und der Großteil von uns lernte auch jeden einzelnen McDonald’s der Hauptstadt kennen. An unsere Verständnisschwierigkeiten in Österreich war jedoch nicht mehr zu denken. Lächerlich. In Budapest hätten wir genauso gut blind und taub sein können, unser Orientierungssinn wäre höchstwahrscheinlich der gleiche gewesen. Auf Hilfe von Einheimischen konnten wir uns in dem ehemals sozialistischen Land leider auch nicht verlassen, da der Kunde dort leider nicht König ist.
Trotzdessen gab es viel zu sehen in Ungarns Hauptstadt, so wurde die Zeit zum Beispiel für heiße Dampfbäder in einem der zahlreichen Hammams oder für einen ausgiebigen Shoppingtrip in der Markthalle genutzt, deren basarähnlicher Flohmarkt an Kitsch nicht zu übertreffen war.
Was aus der Stadt an der Donau sicherlich besonders gut in Erinnerung bleiben wird, sind die abendlichen lustigen Zusammentreffen in unseren ‚Suiten’ oder auch mit anderen Gästen des Hotels, das nur mit deutschen Oberstufenschülern belegt zu sein schien.
Doch auch der kulturelle Aspekt wurde bedacht, schließlich war dies immer noch eine ernsthafte Schulunternehmung. Also besuchten wir die National Gallery und sahen uns sogar Bellinis „Norma“ in der ungarischen Staatsoper an, die zwar unverständlich war (italienische Sprache mit ungarischen Untertiteln), aber trotzdem gefiel.
Alles in allem können wir nun auf eine Studienfahrt zurückblicken, an die wir bestimmt auch später gerne zurückdenken. Die Fahrt war ein toller Abschluss unserer Schulzeit, was sicherlich der guten Stimmung innerhalb der Gruppe und vor allem unserem super Lehrer-Dream-Team zu verdanken ist.
Christin Muus
