Erste Schritte auf dem Weg zur Energiewende

Fachleute, Politiker und Vertreter mit Kommunen diskutierten mit Waldschülern in Schwanewede

Von GABRIELA KELLER Schwanewede.
Nach der Atomkatastrophe in Fukushima ist sie in aller Munde: die Energiewende. Wie wollen der Landkreis und die Gemeinde Schwanewede die Kurve kriegen? Welche Weichen für eine Versorgung mit erneuerbaren Energien sind bereits gestellt worden, was ist in Zukunft geplant? Um diese Fragen ging es jetzt bei einer Podiumsdiskussion in der Waldschule Schwanewede.

Schüler fragten-Fachleute, Vertreter der Kommunen und Politiker antworteten. Die ersten Schritte auf dem Weg zur Energiewende hat die Gemeinde bereits getan. Der Schwaneweder Kämmerer Jens Bunk, Markus Hohnhorst vom Vorstand der "Bürgersonne Schwanewede" und die stellvertretende Bürgermeisterin Annette von Wilcke-Brumund nannten Beispiele: die Photovoltaik-Anlagen auf dem Dach von Rathaus und Waldschule, die Verbesserung der Wärmedämmung von öffentlichen Gebäuden, der Einsatz von energiesparenden Leuchtmitteln in Straßenlaternen. Auch das Füttern von Biogas-Anlagen mit Straßengrün stand zur Diskussion. "Das haben wir untersuchen lassen, aber es lohnt sich nicht", meinte der Schwaneweder Umweltausschuss-Vorsitzende Björn Herrmann. Landrat Jörg Mielke verwies auf bereits realisiert und geplante Maßnahmen und Projekt im Landkreis. "Die im Regionalen Raumordnungsprogramm für den Landkreis festgelegten Zielgrößen für die Windkraft haben wir schon erreicht." Auf einem ehemaligen Militärgelände in Hambergen soll in Kürze ein Solarpark entstehen.

John Becker vom Unternehmen John Becker Ingenieure, die das Projekt "Energiewende Osterholz 2030" begleiten, nannte ein weiteres großes Projekt im Werden. "Im Gewerbepark Meyerhoff entsteht eine 1,8 Megawatt-Photovoltaik-Anlage. Über ein eigenes mit Biogas betriebenes Kraftwerk wird das Gebiet sich vollständig ohne fremde Energie selbst versorgen."

Waldschüler diskutierten mit Fachleuten, Politikern und Vertretern der Kommunen über die Energiewende im Landkreis und in Schwanewede. Zu den Gästen auf dem Podium gehörten unter anderem (v.l.) Reinhard Hennings, Julian Helmich und Toralf Richter. FOTO: KELLER

Ein Projekt mit Modellcharakter, das Schule machen soll. Im Gewerbepark werde mit Biogas nicht nur Strom sondern auch Wärme produziert. "Die meisten Biogas-Anlagen im Landkreis produzieren bisher nur Strom. Dabei gehen 70 bis 80 Prozent der Energie flöten. Das ist ökologisch und ökonomisch nicht sinnvoll", so Becker.

Der Landkreis hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Bis zum Jahre 2030 sollen die komplette in der Region verbrauchte Energie vor Ort selbst erzeugt werden. Durch einen Mix aus Windkraft, Photovoltaik und Biogas. "Aber auch Energieeinsparungen und Investitionen in effizientere Anlagen sind wirksame Hebel", meinte Julian Helmich von der Reon AG. Sie ist eine Tochtergesellschaft von John Becker Ingenieure.

In Schwanewede sind laut Bunk derzeit sechs Biogas-Anlagen genehmigt und fünf in Betrieb. Bei der Windkraft sind 13 Anlagen in Betrieb, drei weitere in Planung. Außerdem habe die Bundesnetz-Agentur 184 Solaranlagen auf Gemeindegebiet erfasst. Bis die Region in der Lage ist, sich mit erneuerbaren Energien selbst zu versorgen, wird es noch eine Weile dauern. Schwanewede setzt auch bei den Importen auf mehr grünen Strom. Dörte Gedat (Bündnis 90/Die Grüne) und Annette von Wilcke-Brumund verwiesen auf einen entsprechenden Ratsbeschluss. Berücksichtigt werden sollen nur Anbieter, die ihre Energie zu 100 Prozent aus regenerativen Quellen speisen. Auch für den Landkreis ist die Frage, woher Strom und Wärme bis 2030 kommen sollen, von Bedeutung. 2012 müssen die Verträge mit den Energieversorgen neu verhandelt werden. Mielke: "Wir werden uns dabei stark mit dem Thema einer nachhaltigen Nutzung erneuerbarer Energien beschäftigen." Thematisiert wurde in der Diskussion auch die Problematik der Vermaisung von Landschaften durch immer mehr Biogas-Anlagen. "Möglichst wenig Mais einzusetzen und trotzdem zu tragfähigen Konzepten zu kommen, muss die Lösung sein", meinte Helmich. Auch künftige Speichermöglichkeiten für Energie und der Netzausbau waren Themen.

© Copyright Bremer Tageszeitungen AG Ausgabe: Die Norddeutsche Seite: 6 Datum: 19.09.2011